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20/12/2019

Spontan verlegen die Mitglieder des Fokusteams „Pfarrei der Zukunft„ ihr Treffen in eine Kneipe. „Wenn wir schon überlegen, was die Menschen künftig brauchen, warum dann nicht gleich dahin gehen, wo offensichtlich viele Menschen sind?", so Brentano. Foto: Lisa Brentano

Viele Menschen beteiligen – das ist auf dem Pastoralen Zukunftsweg im Erzbistum Köln ein wichtiger Grundsatz. In Arbeitsfeldern wurden erste Ideen generiert, die, zusammengefasst in einer Zielskizze, auf Regionalforen in Köln, Euskirchen und Düsseldorf mit rund 1.400 Interessierten diskutiert wurden. Auf Grundlage der Zielskizze und der Rückmeldungen arbeiten zurzeit sogenannte Fokusteams einzelne Themen ganz konkret aus. Lisa Brentano, Pastoralreferentin in der Kölner Innenstadt, arbeitet im Fokusteam „Pfarrei der Zukunft“ mit.

Auf die Plätze, fertig, los! Die Arbeit in den Fokusteams hat begonnen. Zehn Kaffeetassen stehen auf dem Tisch, ein Beamer ist aufgestellt, Pinnwände und Flipcharts stehen bereit. Der kleine Konferenzraum sieht aus wie üblich. Hier werden wir in den nächsten Monaten intensiv zum Thema „Pfarrei der Zukunft“ arbeiten.

„Keiner hat schon fertige Antworten.“

Das Fokusteam, in dem ich arbeite, ist das bisher größte Team der ganzen Etappe. Hier arbeiten Expertinnen und Experten aus Jugendpastoral, Erwachsenenbildung, Caritas, Engagementförderung, Gemeindeberatung, Kirchenmusik und Seelsorge zusammen.

Keiner von uns, das merken wir schnell, hat fertige Antworten parat. Jeder hat in seiner Arbeit unterschiedliche Erfahrung mit Pfarreien und Gemeinden gemacht, ist gewissermaßen „Anwalt“ für die Menschen, die ihm anvertraut sind. Und die Rückmeldungen aus allen vorherigen Beteiligungsformaten und Regionalforen sind so unterschiedlich.

Worauf wir uns schnell einigen können, sind die gemeinsamen Fragen: Wie kann eine Pfarrei mit immer weniger Katholikinnen und Katholiken, ehrenamtlich Engagierten und pastoralen Diensten aussehen? Welche Rolle werden Gemeinden in Zukunft überhaupt noch spielen?

Hinter allen Strukturfragen, die auch auf uns zukommen werden, stecken noch viel größere Fragen wie: Was wollen wir als Kirche den Menschen eigentlich sein? Welchen „Mehrwert“ können Menschen von Kirche eigentlich erwarten? Wer wird morgen eigentlich noch von Christus sprechen?

Mir kommt der Spruch „Ich habe keine Antwort – aber ich bewundere das Problem“ in den Sinn! Der Kaffee ist stark, aber hilft nur bedingt.

„Ein junges Team: Pastoralteam der Zukunft.“

Zum Thema „Pfarrei der Zukunft“ gehört auch das Thema „Pastoralteam der Zukunft“. Das Team dafür durfte ich zusammenstellen. Ich bin ehrlich ein wenig stolz, dass es das jüngste Team ist: eine Kirchenmusikerin, ein Kaplan, eine Engagementförderin, eine externe Beraterin und ich.

Weil wir alle müde von Konferenzräumen sind, überlegen wir spontan, einen Großteil der kommenden Treffen in die Kneipe zu verlegen. Wenn wir schon überlegen, was die Menschen künftig brauchen, warum dann nicht gleich dahin gehen, wo offensichtlich viele Menschen sind? Und vielleicht lässt sich die ein oder andere Überlegung dort spontan beim Kölsch an der Theke mit „Menschen aus dem wahren Leben“ diskutieren.

Kein Fokusteam hat Lust darauf, Dinge hinter verschlossenen Türen zu erarbeiten, die dann nachher nichts mit der Realität zu tun haben. Damit nichts am „grünen Tisch“ ausgedacht wird, was dann nachher nicht umsetzbar ist oder wir uns völlig in den großen Fragen verzetteln, werden unsere Ergebnisse zu bestimmten Terminen ins Projekt- und Lenkungsteam eingespielt. Dort läuft die Arbeit aller Fokusteams zusammen, Ergebnisse werden verglichen und dann wieder zurückgespielt, um daran weiterzuarbeiten. Außerdem wird es weitere regionale Beteiligungsformate geben.

Heute tagen wir vier Stunden. Wir sprechen über die Kernaufgaben von Kirche: Dienst am Nächsten, gemeinsame Liturgie, das Evangelium verkünden.

Wir sind uns einig, dass Kirche auf keine dieser Aufgaben verzichten kann und Gemeinden unbedingt darin unterstützt werden müssen! Aber wie? Daran werden wir in den nächsten Wochen intensiv arbeiten … bei Kaffee und bei Kölsch.