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20/09/2019

Das Miteinander im Erzbistum Köln soll in Zukunft auf allen Ebenen von sieben grundlegenden Haltungen geprägt sein. Damit diese Haltungen angeeignet und eingeübt werden können, habt das Arbeitsfeld 1 zu jeder Haltung konkrete Beispiele entwickelt und überlegt, wie man in seinem (Berufs-) Alltag einen Zugang dazu finden kann. Hier finden Sie dazu einige Erläuterungen.

„Habt Mut!“ (Johannesevangelium 16,33)

Beschreibung

  • In allen Krisen, die die Kirche erschüttern, ist unsere Grundhaltung hoffnungsvoll.
  • Wir staunen, dass und wie Gott uns Menschen vertraut und uns sucht.
  • Wir gestalten unsere Zukunft mit Dankbarkeit und Gelassenheit.
  • Weil wir unsere Arbeit und unser Denken Gott anvertrauen, sind wir immer wieder bereit, neue Aufbrüche zu wagen.

Begründung

  • Gott hat uns zugesagt, bei uns zu bleiben und sein Volk zu begleiten. Von dieser Gewissheit sind wir in unserem Dienst getragen.
  • Zu allen Zeiten hat das Evangelium die Menschen begeistert; auch heute bleibt seine Strahlkraft lebendig.

Beispiele zum individuellen Handeln

  • Ich gebe geistlichen Unterbrechungen in meinem Alltag Raum – alleine und mit anderen – und vertraue Gott im persönlichen Gebet die Herausforderungen meiner Arbeit an.
  • Bevor ich über Menschen urteile, nehme ich sie ins Gespräch mit Gott.
  • Ich ermutige die Menschen, mit denen ich lebe und arbeite.

 

„Was sucht ihr?“ (Johannesevangelium 1,38)

Beschreibung

  • Wir sind weltoffen; wir interessieren uns für aktuelle gesellschaftliche, politische, wirtschaftliche und wissenschaftliche Entwicklungen und suchen in ihnen Gottes Gegenwart.
  • Wir nehmen die Lebenswirklichkeiten der Menschen unserer Zeit ernst und begegnen ihnen mit Respekt.
  • Wir begegnen einander ehrlich und authentisch; und das bedeutet im Gespräch: Der/die andere könnte vielleicht Recht haben.

Begründung

  • Sensus fidelium: Die Menschen –als Glaubende, Suchende, Fragende -haben einen Sinn für die Wahrheit des Evangeliums. der sie befähigt, sich am Aufbau des Reiches Gottes zu beteiligen.
  • Weil Gott sich für uns Menschen interessiert, interessieren wir uns füreinander.

Beispiele zum individuellen Handeln

  • Ich entwickle/bedenke pastorale Angebote von den Menschen her.
  • Ich scheue mich nicht vor dem Gespräch mit Menschen, die kritisch gegenüber der Kirche oder meinem Glauben sind.
  • Ich belehre nicht, sondern höre zu und vermeide Besserwisserei.

 

„Nehmt Neuland unter den Pflug!“ (Hosea 10,12)

Beschreibung

  • Wir sind bereit, uns zu verändern.
  • Mit Kreativität denken wir unseren Glauben neu, wagen neue Ausdrucksformen und gewinnen Menschen neu für Christus.
  • Fehler sind dabei Chancen, um etwas zu lernen: ausprobieren, reflektieren, weitermachen.
  • Wir lassen uns immer wieder neu zu den Menschen senden und ermutigen, an der Sendung der Kirche teilzuhaben.

Begründung

  • Das Wesen Gottes ist kreativ (lebensspendend, schöpferisch); der Mensch hat durch seine Kreativität Anteil am Wesen Gottes.
  • Gott ruft zu allen Zeiten den einzelnen Menschen zum Aufbruch ins Unbekannte (Bsp. Abraham, Moses) –er offenbart sich im Wagnis. Ebenso ist auch die Gemeinschaft der Gläubigen zu Wandlung berufen: ecclesia semper reformanda.

Beispiele zum individuellen Handeln

  • Ich schaffe Raum und stelle Ressourcen zur Verfügung für kreative Zugänge zum Glauben.
  • Ich versuche pro Jahr mindestens 2 junge Menschen in der Entfaltung ihrer kreativen Kräfte zu fördern.
  • Ich lasse mich in meinem Engagement durch Beispiele guter Praxis aus dem kirchlichen und nicht-kirchlichen Bereich inspirieren.

 


„Seid barmherzig. Wie auch euer Vater barmherzig ist!“ (Lukasevangelium 6,36)

Beschreibung

  • Wir erkennen Fehler und Verletzungen an.
  • Wir sorgen für individuelle, materielle, strukturelle Wiedergutmachung.
  • Wir sind bereit zu vergeben und Versöhnung zu leben.
  • Wir etablieren eine Kultur des Miteinanders, in der Schuld und Scheitern die Würde und das Potential eines Menschen nicht in Frage stellen.

Begründung

  • Die Bibel bezeugt auf vielfältige Weise die Barmherzigkeit Gottes. Wir sind gerufen, diese Erfahrung der Barmherzigkeit in Wort und Tat zu verkünden.
  • Wir sind auf die Barmherzigkeit Gottes und unserer Mitmenschen angewiesen.

Beispiele zum individuellen Handeln

  • Ich bin aufmerksam für Verwundungen an Leib und Seele und weise andere ggf. auf verletzendes, grenzüberschreitendes Verhalten hin.
  • Ich begegne unabsichtlichen Fehlern mit Verständnis und Nachsicht.
  • Ich achte und wertschätze die unterschiedlichen Bedürfnisse der Menschen.
  • Ich schlage alternative Lösungen vor, wenn ich auf Probleme hinweise und überlege, wie ich zu den Lösungen beitragen kann.

 

„Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.“ (Galaterbrief 6,2)

Beschreibung

  • Wir tragen dazu bei, das Leben in all seinen Formen zu schützen und zu bewahren. Wir handeln gerecht und solidarisch.
  • Wir bewahren und gestalten die Schöpfung.
  • Wir geben unseren Glauben froh und kraftvoll weiter.
  • Wir nehmen unsere Verantwortung für kommende Generationen in ökumenischer Zusammenarbeit mit unseren christlichen Geschwistern wahr.

Begründung

  • Die Schöpfung ist Gottes Werk; er hat sie unserer Verantwortung anvertraut. In der Welt ist alles miteinander verbunden, dies gilt auch für „die enge Beziehung zwischen den Armen und der Anfälligkeit des Planeten“ (Papst Franziskus, Laudato si 16).
  • In jedem Menschen –besonders in dem Menschen, der leidet –begegnet uns Christus.

Beispiele zum individuellen Handeln

  • Ich nehme den Sozialraum in meiner Pfarrei wahr und informiere mich besonders über die Situation der Armen dort.
  • Mit unseren evangelischen Geschwistern befördere ich die Teilhabe aller am Leben der Gemeinde und im Sozialraum.
  • Ich engagiere mich für den ökologisch nachhaltigen Aus-und Umbau von Kirchen und Gemeindehäusern.
  • Ich bemühe mich um eine schöpfungserhaltende Lebensweise (Vermeidung unnötigen Mülls, Wertschätzung von Lebensmitteln etc.).

 

„Jedem aber wird die Offenbarung des Geistes geschenkt, damit sie anderen nützt.“ (1. Korintherbrief 12,7)

Beschreibung

  • Wir sind uns bewusst, dass wir gemeinsam am Reich Gottes mitarbeiten.
  • Wir verstehen Führungs-und Leitungsaufgaben als Dienstämter und treffen Entscheidungen in subsidiären Strukturen.
  • Wir orientieren uns bei der Verteilung von Aufgaben an unseren Kompetenzen und befähigen einander, unser Potential zu entdecken und unsere Talente einzusetzen.

Begründung

  • Wir folgen Jesu Grundhaltung des Dienens, mit allen persönlichen und strukturellen Konsequenzen.
  • Das Grundprinzip der Subsidiarität gilt nicht nur in der Gesellschaft, sondern in allen Bereichen unserer Kirche.
  • Als Geschöpfe Gottes sind alle Menschen mit Freiheit begabt und zur Freiheit aufgerufen. Unser Leben ist eine Antwort auf diesen Ruf.

Beispiele zum individuellen Handeln

  • Als Führungsperson etabliere ich Regeln zur Machtbegrenzung, Machtkontrolle und Machtteilhabe.
  • Ich achte darauf, dass Ressourcen so aufgeteilt werden, dass sie die Teilhabe verschiedener Gruppen an der Gestaltung des kirchlichen Lebens vor Ort fördern.
  • Ich sorge dafür, dass Sitzungen auf der Grundlage von Kompetenz, nicht auf der Grundlage etablierter Machtpositionen, geleitet werden.

 

„Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben, und es in Fülle haben!“ (Johannesevangelium 10,10)

Beschreibung

  • Wir sind leidenschaftlich Christinnen und Christen.
  • Wir schätzen die vielfältigen Ausdrucksformen des Glaubens in der katholischen Kirche: Wir glauben versöhnt verschieden.
  • Wir machen unsere Glaubensfreude sichtbar.

Begründung

  • Gott schenkt uns Leben in Fülle, diese Zusage bringen wir in unseren Taten und Haltungen gerne zum Ausdruck.
  • Als Mitarbeitende und Engagierte im Erzbistum Köln sind wir getragen von der rheinischen Lebensfreude.
  • Das, was den Menschen Spaß macht, tun sie gern, motiviert und effektiv.

Beispiele zum individuellen Handeln

  • Ich rege an, sich in Teams und Gremien regelmäßig über unsere Motivation auszutauschen.
  • Ich überlege, wie wir gemeinsam das Leben feiern können.
  • Ich fange bei mir selber an, das Positive zum Ausdruck zu bringen und so von meiner Glaubensfreude Zeugnis zu geben.
  • Ich versuche, schwierige Situationen mit Humor zu entschärfen.
  • Ich gestalte eine schöne, einladende Umgebung.