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23/09/2019

Über 500 Personen beim ersten Regionalforum in Köln

Zum ersten von drei Regionalforen im Erzbistum Köln haben sich heute über 500 Menschen in Köln mit Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki getroffen. Anhand einer „Zielskizze“, die seit Sommer 2018 in fünf Arbeitsfeldern erarbeitet worden war, diskutierten sie über die Zukunft des Glaubens und der Kirche im Erzbistum Köln. Nach zwei weiteren Foren in Euskirchen und Düsseldorf an den folgenden Wochenenden soll aus den Beratungen der Zielskizze ein „Zielbild“ für das Erzbistum Köln als Perspektive für das kommende Jahrzehnt entstehen.

Kardinal Woelki: „Veränderung gelingt nur gemeinsam“

„Ich bin dankbar“, sagte Kardinal Woelki zu Beginn, „dass Sie alle da sind, dass Sie sich einen ganzen Tag dafür frei nehmen und wir jetzt tun, was wir immer gesagt haben: gemeinsam an einem Zielbild arbeiten. Ich lade Sie ein, mit zu diskutieren und sich einzubringen. Veränderung geht nur gemeinsam. Ich bin heute hier, um vor allem auch zu hören.“ Er sei zuversichtlich, dass dieser Tag und die beiden folgenden Regionalforen sowie alle weiteren Schritte zum Zielbild Teil eines guten Weges seien. „Ich bin mir deshalb so sicher, weil ich davon überzeugt bin, dass wir nicht alleine unterwegs sind, sondern dass der Herr mitten unter uns ist.“ Ein „Weitermachen wie früher“ könne es angesichts der Veränderungen in Kirche und Gesellschaft nicht geben. Die Gestaltung der Zukunft erfordere es, aufzubrechen und den Alltag vom Glauben durchdringen zu lassen. Ausgangspunkt dafür sei ein vertieftes Kennenlernen Christi, um sich an ihm zu orientieren: „Nur wer Christus kennt, kann ihn zu den Menschen bringen.“

Dass die Zielskizze bei aller Vorläufigkeit viele drängende Fragen und Themen widerspiegelt, zeigten Austausch und Diskussion: Nicht nur die Glaubensweitergabe an die nächste Generation, sondern auch das gelingende Gespräch über den Glauben vor allem mit jungen Menschen bereitet vielen Kopfzerbrechen. Das gewohnte Bild von Pfarrei und Gemeinde wird sich wandeln, und auch strukturelle Fragen sind zu lösen: Wie etwa sind die zukünftigen Gemeinde-, Pfarrei- und Dekanatsstrukturen lebensnah zu gestalten? Die Kindertagesstätten sollen seelsorgliche Zentren bleiben, auch wenn aus verwaltungstechnischen Gründen die Trägerschaft wechselt. Sollen Ehrenamtliche und Gefirmte tatsächlich verantwortlich mitentscheiden, bedarf es vielfach eines Haltungs- und Kulturwandels. Und wo kommen vor allem Jugendliche und junge Erwachsene vor, die mit ihren Fragen die Kirche als möglichen Gesprächspartner oft gar nicht im Blick haben? Positiv vermerkt wurde das durchgängig an der Glaubensvertiefung orientierte Profil der Zielskizze – noch vor allen strukturellen oder materiellen Fragen. Auch die aktuellen Themen „Rolle der Frau in der Kirche“, Prävention und Ökumene kamen zur Sprache; hierzu wird es im kommenden Jahr eigene Foren geben.

Beratung im Plenum und in gesprächskreisen

In über 20 Gesprächskreisen tauschten sich die Teilnehmer aus und diskutierten die angesprochenen Themen. „Mir ist wichtig, wie sich die Kirche entwickelt“, so eine Teilnehmerin. „Wir sehen ja alle, dass immer weniger Menschen mit der Kirche etwas anfangen können. Ich finde es sehr gut, dass heute viele Leute eingeladen wurden mit zu überlegen, mit zu diskutieren und mitzudenken. Das war ein guter Einstieg. Ich war vielleicht nicht an allen Punkten einverstanden, aber insgesamt finde ich sehr gut, dass der Bischof und auch das Generalvikariat sich anhören möchte, was die Menschen denken.“ – „Hier sind viele verschiedene Leute vertreten, die auch viele unterschiedliche Meinungen einbringen“, so ein anderer Teilnehmer. „Was hier überlegt wird, muss in den Gemeinden umsetzbar sein und nicht nur auf den oberen Ebenen entschieden werden.“ Der offene Austausch wurde immer wieder hervorgehoben: „Die Veranstaltung ist ein Schritt auf einem Weg, es ist wichtig, dass die Arbeitsgruppen und die Menschen, die sich mit diesen Fragen auseinandersetzen, einen Eindruck davon bekommen: Was denken andere? Wie kommen wir zu einem Querschnitt von Meinungen? Ich erhoffe mir weiterhin Offenheit, auch über unangenehme Fragen zu sprechen, und dass es viele gute Ideen gibt.“

„Heute sind wir an einer wichtigen Wegmarkierung des Pastoralen Zukunftswegs angekommen“, so Generalvikar Dr. Markus Hofmann. „Die Zielskizze muss intensiv diskutiert werden. Dabei geht es um sehr viele persönliche, emotionale Dinge, denn die Kirche und das Erzbistum sind uns Heimat, und deshalb geht es ums Ganze.“ Es gebe dabei viel Gestaltungsspielraum: „Klar ist, eine Skizze ist noch kein fertiges Bild mit Signatur und Rahmen, sondern ein erster unvollkommener Entwurf. Alles, was Sie heute hören, sind gut begründete Vorschläge, aber es sind noch keine Entscheidungen. Es gibt unterschiedliche Wege zum Ziel, und es wird Veränderungen beispielsweise bei der Zahl der Pfarrgemeinden geben. Aber heute steht dazu noch nichts fest, denn in diesem derzeit laufenden Prozess sollen alle Vorschläge diskutiert werden und so erst die erforderlichen Entscheidungen vorbereitet werden.“

Fünf Teams hatten sich in den vergangenen Monaten intensiv mit der Situation im Erzbistum Köln befasst. In zahlreichen Gesprächen, Auswertungen und Erhebungen beteiligten sie dabei insgesamt etwa 10.000 Menschen. Die Überlegungen wurden in der Zielskizze zusammengefasst. Dazu zählen Ideen für zukunftsweisende Gemeindeformen und deren adäquate Leitung mit Beteiligung von Gefirmten, der erforderlichen Qualifizierung von Hauptberuflichen und Ehrenamtlichen, den erhöhten Stellenwert und die Verlebendigung von Gottesdiensten und Sakramentenspendung, eine Verbesserung der Kommunikation auf allen Ebenen und zukunftsfähige Strukturen. (pek190921)